Fehlerkultur – Buzzword oder essentielles Thema für Organisationen?

Obwohl es sich hierbei nicht um einen modernen Anglizismus handelt, hat das Wort Fehlerkultur bereits Buzzword-Status erreicht. Insbesondere deutsche Unternehmen (vor allem Konzerne) schreiben eine „offene“ oder „lernende“ Fehlerkultur in ihre neuen Leitlinien, -bilder oder -prinzipien. Wir haben sogar schon Initiativen beobachtet, in denen „Fehler machen ist erlaubt“ als kultureller Leitslogan des gesamten Unternehmens ausgerufen wurde.

Doch was ist überhaupt eine „offene“, oder wie wir sie auch nennen „lernende“, Fehlerkultur?

Wer Fehler offen darlegt und kommuniziert, kann daraus lernen sie zukünftig zu vermeiden, daraus besser werden und als gesamte Organisation wachsen.

Sascha Oehlbrecht (ideenbringer)

Eine offene Fehlerkultur ist dadurch geprägt, dass alle Menschen der Organisation, egal wie die ggf. existente hierarchische Zuordnung ist, befähigt sind, offen, ehrlich und transparent Fehler zu kommunizieren. Diesem vorgelagert ist allerdings ein zugrunde liegendes Wertesystem des jeweiligen Teams oder besser der gesamten Organisation, welches Fehler als Lernmomente und Lernchancen sieht, um dadurch stetig besser werden zu können. Eine offene oder lernende Fehlerkultur bedingt demzufolge auch die Freiheit der Menschen sich beim offenen Umgang mit Fehlern keine Gedanken über mögliche, negative Konsequenzen in Bezug auf die Karriere oder ferner den Arbeitsplatz generell machen zu müssen. Zudem sind sachliche Analysen des Sachverhalts anzuknüpfen, die lernorientiert moderiert sind und frei von Schuldzuweisungen gestaltet sein müssen. Zusammengefasst geht es bei einer derartigen Fehlerkultur vor allem darum, den Menschen die Angst zu nehmen Fehler offenzulegen und zu kommunizieren. Außerdem ist eine darauffolgende -gern auch im Kollektiv- Analyse der Situation anzuschließen, um Transparenz zu schaffen, Erkenntnisse zu sammeln und vermeidbare Aspekte für die Zukunft zu lernen. Dazu können wir die Celebration-Grid-Methode aus dem Management 3.0 empfehlen, wodurch sich einfach und schnell eine Reflexion und ein Clustering der Fehler erzeugen lässt und Handlungmaßnahmen stringend abgeleitet werden können.

Quelle: https://management30.com/practice/celebration-grids/

Dabei verfolgt das Celebration Grid die Aufteilung in „Mistakes“, „Experiments“ und „Practices“, welche das „Behavior“ darstellen und die vertikale Beleuchtung in Form des „Outcomes“, der in tatsächlichen „Failure“ und „Succees“ geteilt ist. Dabei zeigt die dadurch diagonal verlaufende Achse die anzustrebende prozentuale Verteilung der jeweiligen Fehlerklassifizierungen. Eine weitere Ergänzung auf der x-Achse zeigt die aus der Einordnung resultierenden und genutzten Lernpotenziale. Wir erweitern diese Ansicht in der Regel um weitere Leitfrage pro Klassifizierungsbereich, um direkt mit den Beteiligten Handlungsmaßnahmen erkenntlich zu machen.

Wir haben die Cebration-Grid-Methode vor einiger Zeit nochmals intensiv kennengelernt, als wir es auf dem Mai-Meetup von unseren Freunden der 1789 Innovations AG exemplarisch vorgestellt und angewandt hatten.

Sascha bei der Vorstellung einiger identifizierter Punkte für die Demonstration der Funktionsweise der 1789 Innovations AG eigenen “Reflexion Matrix”, welche sich an das Celebration Grid anlehnt.

Warum steht insbesondere in den letzten Jahren die Akzeptanz von Fehlern bzw. der konstruktive und lernende Umgang mit Ihnen im Fokus?

Nunja – nicht ohne Grund steckt in dem Wort Fehlerkultur zu gleichen Teilen Fehler und Kultur.

Die deutsche Kultur, und die darin verankerte Umgang mit Fehlern, war bisher immer der Vermeidung von Fehlern ausgelegt. In der Schule, im Studium, im Arbeitsleben und auch im Privaten. Fehler wurden durchweg mit Negativem assoziiert. Durch die Globalisierung und Internationalisierung sowie den generellen Anstieg der Komplexität ergaben sich neue Einflussfaktoren, die einen Wandel anstießen und sogar erzwangen. Dabei sind es zum einen die komplexen und schnelllebigen Rahmenbedingungen, aber auch die positiven Erkenntnisse aus anderen Kulturen und Verhaltensweisen. Diesen Wandel geht es vor allem in größeren Unternehmen und Konzernen konsequent umzusetzen. Kleinere haben damit erfahrungsgemäß weniger Probleme, da sie in weiten Teilen ihres Geschäftes meist schon sehr anpassungsbereit und flexibel aufgestellt sind. Dies begründet auch, warum viele Konzerne die oben genannten Fehlerkultur-Statements postulieren. Darüber schwingt oft die Hoffnung mit, durch häufiges präsent machen der Thematik die Menschen automatisch einen inneren kulturellen Wandel vollziehen zu lassen. Dieser innere Wandel ist zwingend notwendig, um eine angemessene Haltung zur Fehlerkultur in jedem einzelnen verankern zu können und dadurch die Teams und Organisationen nachhaltig erfolgreich zu machen. Wie ihr schon vermutet, reicht dies natürlich nicht aus.

Wie ist diese notwendige Fehlerkultur umsetzbar und wie können wir bereits existente Möglichkeiten dazu nutzbar machen?

Dazu vorerst zurück zu den oben angesprochenen positiven Erkenntnissen: Auch aus persönlicher Erfahrung ist zu sagen, dass die Diversität der verschiedene Menschen, Organisationen, Märkten oder ganzen Ländern Chancen bieten von einander zu lernen und den Wandel zur offenen Fehlerkultur zu durchlaufen. Der Umgang mit Fehlern, welche in diesem Zusammenhang oft an das Treffen von Entscheidungen und die Übernahme von Verantwortung geknüpft ist, ist nicht zwingend auf die Unternehmenskultur begrenzt. Kollegen aus Nordamerika setzen beispielsweise oft aufgrund der landesspezifischen Kultur auf schnelle Entscheidungen gepaart mit einem gewissen Grad von Unsicherheiten und der Offenheit für potenzielle Fehler. In kulturell deutsch geprägten Unternehmen haben wir im Gegensatz dazu eher Erfahrungen gemacht, die einem planerischen Ansatz folgen, möglichst alle Fehlerpotenziale vorab erkennen und diese folglich beseitigen möchten. Welcher Weg ist nun der „richtige“ fragen sich hierbei die meisten. Die diplomatische Antwort darauf: Es kommt darauf an und vor allem, es gibt meist kein schwarz oder weiß. Von beiden Ansätzen lassen sich positive sowie risikoreiche Aspekte erkennen. Der jeweils richtige Mix ist hierbei individuell zu wählen. Fakt ist jedoch, dass der planerische Ansatz in der exponetiell komplexer werdenden Welt immer mehr an Bedeutung verlieren zu scheint. Daher sind insbesondere Unternehmen mit tradtionell deutscher Denkweise in der Pflicht Änderungen durchzuführen. Doch wie, wenn das einfach postulieren der Fehlerkultur-Leitlinien nicht ausreicht? Eine der einfachsten Möglichkeiten, um den „Stein ins Rollen“ zu bringen ist, wenn das obere Management mit gutem Beispiel voranschreitet und es konsequent vorlebt. Es muss dabei klar hervorgehen wie die konkrete zukünftige Haltung zu Fehler im Unternehmen sein soll. So wie es auch in unserer dazu passenden #ideenbringer Sketchnote ersichtlich ist. Der König steht repräsentativ für das Executive Management, lebt die Haltung vor, repräsentiert Resultate, die ohne Fehler niemals hätten erbaute werden können und postuliert diese letztendlich natürlich auch mit angebrachter Kommunikation.

Eigene Darstellung: Warum Fehlerkultur und Fehler selbst unabdinbar sind, um erfolgreich sein zu können.

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